Möbel

Du brauchst neue Möbel, da fallen Dir bestimmt erst einmal die großen Möbelketten ein. Deren Preise sind oft das ausschlaggebende Argument, aber diese können nur deswegen so niedrig sein, weil sowohl an Materialien als auch Arbeitskräften gespart wird. Bei der Herstellung werden unteranderem gesundheitsschädliche Stoffe verarbeitet, wie z. B. Farben mit giftigen Lösungsmittel oder Lacke, die schädliche, leicht flüchtige organische Verbindungen absondern. Die Umweltschädigung durch Abholzung der Regenwälder steht dabei außer Frage.

Auch muss jemand für die billigen Preise schwer bezahlen: Die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Ländern des globalen Südens machen unsere Möbel unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen. Ihre Gesundheit ist durch die eingesetzten Chemikalien, schlechte Belüftung und fehlende Schutzkleidung gefährdet. Weiter sind Kinderarbeit, keine oder kaum Pausen und Misshandlungen keine Seltenheit. Diese miesen Arbeitsbedingungen toppt ein bekanntes schwedisches Möbelhaus, denn dieses ließ in der DDR ihre Möbel in Gefängnissen von Zwangsarbeitern herstellen. Nach dem Ende der DDR produzierte diese Firma in Diktaturen wie Birma und heutzutage in Weißrussland.

 

Sei Kreativ !
Wenn Du nicht bei Billigketten einkaufst, sondern auf dem Flohmarkt suchst oder selber baust, entscheidest Du Dich auch für mehr Individualität und Einzigartigkeit. Du gestaltest Dein Zuhause persönlicher.
Neben dem Flohmarkt gibt es in Hamburg  weitere Möglichkeiten an günstige Möbel aus zweiter Hand zu kommen und zwar bei Hamburgs Kleinstes Kaufhaus sowie Stilbruch. Stilbruchs Motto lautet „Lieber gebraucht als teuer“.

Ein Tag bei STILBRUCH – MyVideo

Das gilt neben Möbel auch für Hausrat, Bücher, Platten & CDs, Elektroartikel, Fahrräder und Klamotten. Als Tochterunternehmen der Hamburger Stadtreinigung erhalten sie täglich fünf bis sechs LKW-Ladungen gebrauchter Waren, die die Kollegen vor dem Sperrmüll retten. Du kannst natürlich auch selber Deine alten, aber gut erhaltenen Besitztümer dort hinbringen. So wirst Du diese los und die Umwelt wird vor Müll geschont. Denn in Deutschland fallen jährlich 7 Millionen Tonnen Möbelmüll an, nur etwa zehn Prozent davon werden wiederbenutzt oder recycelt. Der Rest wird in Kraftwerken verheizt. Auf der Stilbruch-Website gibt es auch einen Verschenkmarkt, wo Du suchen, tauschen und halt verschenken kannst!

 

Baue Dir selber Deine Möbel!
Im Zeitalter des Internets findest Du ganz leicht einfache und kostenlose Anleitungen zu schlichten Möbeln wie Du sie bei den Billigketten bekommst. Bauen geht schneller und günstiger als Du denkst! Ein tolles soziales Projekt nennt sich Hartz IV Möbel. Bei diesen DIY- Möbeln von Le Van Bo, eigentlich ein Architekt, brauchst Du weder großes handwerkliches Geschick noch viel Werkzeug. Unter dem Motto „Konstruieren statt Konsumieren“ will Van Bo Menschen mit wenig Geld und ein bisschen Zeit dazu motivieren, selbst Hand anzulegen. Dabei hat er Baupläne für einen 24 Euro Stuhl bis zum Siwo Sofa, einem Bettsofa, entwickelt. Wenn Du jetzt loswerkeln willst, achte darauf, welche Holzart Du verarbeitest: Buche gehört zu den unbedenklichen Arten, meide hingegen Teak und andere Tropenhölzer. Welche Hölzer Du unbesorgt kaufen kannst, erfährst Du im Greenpeace-Ratgeber Holz- und Wald.

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Gehe einen Schritt weiter, baue Möbel aus „Müll“!
Du kannst auch Möbel aus Sachen, die als unbrauchbar oder sogar als Müll abgeschrieben worden sind, bauen. Meistens kannst Du diese Gegenstände bei Dir zu Hause oder Umgebung finden und mit ein bisschen Kreativität neues Leben einhauchen. Diese Wiederverwertung, aus Müll neues Nützliches machen, nennt man dann Upcycling. Auch hier findest Du schöne kostenlose Anleitungen im Internet unter anderem bei www.handmadekultur.de. Die Ideen gehen von einer Tetrapacklampe, über Gabeln als Garderobe, zu einem Obstkistenrollwagen bis zu Palletten als Tisch, Bank oder Bett.

 

Investiere in nachhaltige, fair gehandelte Möbel!
Klar gibt es auch nachhaltige Möbelmarken, unteranderem bei Avocado Store oder bei diewohnkultur!, jedoch sind diese Möbelstücke ziemlich teuer. Aber Qualität hat auch ihren Preis: Bei diesen Möbel handelt es sich nämlich nicht um Spannplatten, die mit chemischem Kleber gepresst wurden und deren Farben giftige Lösungen enthalten, sondern um naturbelassene Vollholzmöbel, die auch einfach dauerhafterer sind. Um Dich der Nachhaltigkeit der Möbel zu versichern, achte auf die folgenden Siegel:

 

FSC-Siegel: Das Gütesiegel wird vom Forestry Stewardship Council vergeben – eine gemeinnützige und unabhängige Organisation, die eine verantwortungsvolle Waldwirtschaft fördert. Es wird vom Bundesumweltministerium und Umweltorganisationen wie dem Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND), dem World Wide Fund for Nature (WWF) sowie Greenpeace unterstützt. Trägt Holz das FSC-Siegel, so kannst Du davon ausgehen, dass es kontrolliert angebaut wurde. Es stammt aus umweltgerechten, sozial verträglichen und ökonomisch bewirtschafteten Wäldern.  Eine gute Wahl sind FSC-zertifizierte Möbel aus heimischen, europäischen Hölzern wie Ahorn, Esche, Buche oder auch Eiche.

 

Blauer Engel: Der Blaue Engel ist das älteste und bekannteste Umweltzeichen der Welt. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) vergibt das Prüfsiegel. Den Blauen Engel gibt es mit vier verschiedenen Schutzzielen: Klima, Wasser, Ressourcen und Gesundheit. Ausgezeichnete Möbel wurden umweltschonend produziert. Sie setzen nur begrenzt Schadstoffe wie beispielsweise Lösungsmittel, Formaldehyd und Weichmacher frei. Das Holz für Möbelstücke, die mit dem “Blauen Engel” zertifiziert werden, stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Das Zertifikat wird einmalig vergeben. Dafür wird die Herstellung, Nutzung und Entsorgung des Möbelstücks überprüft. Eine Nachkontrolle gibt es nicht.

 

Das Goldene M: Das Gütezeichen verleiht die Deutsche Gütegemeinschaft Möbel (DGM), die sich aus dem RAL – Deutsches Institut für Gütesicherung und deutschen Herstellern zusammensetzt. Für die Zertifizierung eines Produkts mit dem Goldenen M muss die gesamte Produktion gesundheits- und umweltfreundlich sein, daneben müssen auch in der Entwicklung, bei der Konstruktion und Verpackung, beim Transport sowie bei der Entsorgung  ökologische Kriterien beachtet werden. Die Möbel werden insbesondere auf Schadstofffreiheit und Qualität hinsichtlich Stabilität, Verarbeitung, Haltbarkeit sowie Sicherheit geprüft.  Für das Goldene M muss ein Möbelstück die gleichen Anforderungen wie für den Blauen Engel erfüllen. Die Qualität des Produktes wird allerdings fortdauernd überwacht und in unabhängigen Laboren überprüft.

 

ÖkoControl-Siegel: Der Europäische Verband ökologischer Einrichtungshäuser kennzeichnet mit dem Möbel-Siegel ÖkoControl hochwertige, schadstoffgeprüfte Möbel. Getestet werden nur Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen und nachhaltiger Forstwirtschaft stammend. Die Maßstäbe bei der Zertifizierung übersteigen sogar gesetzliche Vorschriften. Neben dem Produktionsprozess wird bei der Vergabe des ÖkoControl-Siegels auch die Entsorgung des Möbels berücksichtigt.

 

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