2572100759_7890952540_qIn Deutschland werden jedes Jahr 11 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen, wie vor Kurzem eine Studie der Universität Stuttgart herausfand. Zum Großteil ist diese Ware noch einwandfrei, darf aber nicht mehr verkauft werden weil z.B. das Mindesthaltbarkeitsdatum gerade überschritten wurde oder die Ware aus ästhetischen Gründen nicht mehr verkauft werden soll. Und weil das so ist, hat sich in den letzten Jahren sogar ein eigener Markt um diese Wegwerfware gebildet. Neben der wohl bekanntesten Initiative, der Tafel, gibt es mittlerweile auch andere Aktivist/innen, die diesen Fehler im System angehen wollen. So auch die Lebensmittelretter/innen.

Was ist die Idee dahinter?// 2012 wurde das Foodsharer Projekt gegründet mit der Grundidee, dass Menschen ihr Essen wieder mehr teilen sollen. Dabei soll kein Geld fließen, denn teilen hat, laut Meinung der Gründer, auch eine ethische Dimension. Den Lebensmitteln soll wieder ein ideeller Wert gegeben und das Bewusstsein geschaffen werden, dass sie mehr als bloß eine Ware sind. Damit wird dem Fehler im System, der Überproduktion, entgegengewirkt.

Was machen die Lebensmittelretter/innen genau?// Lebensmittelretter/innen sind nun diejenigen, die in Supermärkten, Bäckereien, bei Gemüsehändlern und sogar in Tankstellen überschüssige Lebensmittel sammeln, um sie dann an Vereine und soziale Projekte zu verteilen oder bei www.foodsharing.de einzustellen. Auf der Website kann man die gesammelten Produkte als Essenskörbe zusammenstellen, die dann von Interessierten abgeholt werden.  Aber nicht nur das! Man kann sich auch zum gemeinsamen Kochen verabreden um die Lebensmittel mit Anderen zu teilen, also auch ein soziales Event daraus machen!

Alle Lebensmittelretter/innen engagieren sich ehrenamtlich, es gibt keinen Fuhrpark und auch kein zentrales Lebensmittellager, wo die Lebensmittel bis zur Vergabe aufbewahrt werden. Dies bedeutet einen hohen Organisationsaufwand für die Freiwilligen. Daher ist die Website www.lebensmittelretten.de momentan noch die Seite, auf der sich die Freiwilligen in ihrer Region organisieren, sich austauschen und alle teilnehmenden Betriebe verwalten – während www.foodsharing.de eher die Seite ist, um Essenskörbe reinzustellen und abzuholen. Im Übrigen nehmen die Lebensmittelretter/innen nicht nur Waren in großen Mengen ab, sondern kommen auch für ein paar Brötchen, eine Kiste Zwiebeln oder für paar wenige Obstsorten – im Gegensatz zur Tafel. Auch benötigen die Abnehmer keinen Bedürftigkeitsnachweis (z.B SGB-II) für die Waren, weshalb man die Lebensmittelretter/innen auch als “niedrigschwellige Variante der Tafel” bezeichnen könnte.

In Hamburg fand am letzten Märzwochenende, vom 28.3-30.3.2014 der Kongress der Lebensmittelretter/innen im Bürgerhaus Hamburg Jenfeld statt. Rund 90 Freiwillige haben an diesem Wochenende in kleinen Grüppchen gemeinsam gekocht, über Essen geredet, sich vernetzt und darüber diskutiert, wie man am besten Supermärkte dazu bringt, ihnen ihre Lebensmittel zu überlassen. Wenn Du jetzt neugierig geworden bist und Lust bekommen hast auch ein/e Lebensmittelretter/in in Deiner Region zu werden, dann kannst Du Dich auf www.lebensmittelretten.de anmelden und aktiv werden. Wenn Du Dich für einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln engagieren möchtest, ist das vielleicht das richtige Format für Dich – also schau’ s Dir an!

Einen Kurzfilm, der knapp das Konzept „Foodsharing“ erklärt, findet ihr hier:

Autor: Jasmina Srna

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