Bio-Siegel

Nein, Bio ist nicht gleich Bio. Verantwortlich dafür sind vor allem die Discounter Aldi, Lidl, Netto und Co., die neuerdings auch Bioprodukte in ihrem Sortiment haben. Diese tragen häufig nur das staatliche oder das EU-Biosiegel, dessen Standards viel niedriger sind als die Richtlinien anderer Bio-Anbauverbände. Discounter fordern große Mengen an und haben somit die Macht, auch bei Bioprodukten die Preise zu drücken. Wenn die Biotomaten aus Spanien billiger sind als die deutschen, dann werden sie eben dort gekauft und nach Deutschland transportiert. Die billigen Preise werden dann häufig mit billigeren Arbeitskräften aus Afrika oder Osteuropa erzielt. Auf ökologische Kreisläufe, nachhaltigen Transport oder recycelte Verpackung wird hier weniger Wert gelegt. Auf der anderen Seite schonen natürlich auch diese Produkte Mensch und Umwelt, indem sie beispielsweise auf den Einsatz von Pestiziden verzichten. Für die Arbeiter/innen der Bananen- und  Orangenplantagen zum Beispiel machen auch kleine Verbesserungen schon einen großen Unterschied. Es gibt in Deutschland zahlreiche Beschreibungen auf Lebensmittelverpackungen, die den Konsumenten fälschlicherweise davon überzeugen sollen, das Produkt sei gesund und umweltfreundlich. „Light“, „aus kontrolliertem Anbau“ oder „naturnah erzeugt“ sind nur einige Beispiele. Damit du dich in dem Dschungel aus Produktbeschreibung und Biosiegeln zurechtfindest, haben wir eine Übersicht der vertrauenswürdigsten Siegel erstellt.

Biosiegelübersicht
Deutsches Bio-Siegel: Die wohl meist verbreitete Kennzeichnung von ökologisch angebauten Lebensmitteln ist das staatliche Bio-Siegel. Vergeben und kontrolliert wird das Siegel seit 2001 durch das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Grundlage ist die europäische Öko-Verordnung, in der sich alle Bestimmungen und Richtlinien nachlesen lassen. Lebensmittel, die das staatliche Bio-Siegel tragen, müssen zu mindestens 95 Prozent aus ökologischem Landbau stammen. Verboten sind unter anderem künstliche Pflanzen- und Düngemittel, die Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen, sowie die Anreicherung von Tierfutter mit wachstumfördernden Hormonen.

Europäisches Bio-Siegel: Das europäische Bio-Siegel ist verpflichtend für alle verpackten Bio-Produkte, die in der EU hergestellt wurden. Die Hersteller müssen die gleichen Kriterien befolgen, die auch beim deutschen Bio-Siegel verlangt werden. Anhand einer Codenummer auf der Verpackung lässt sich nachvollziehen, in welchem Land das Produkt hergestellt wurde.

In Deutschland gibt es einige bedeutende ökologische Anbauverbände, die ihr eigenes Siegel vergeben. Sie haben meist weiter reichende Richtlinien für ihre Produktion als die europäische Öko-Verordnung. Um Mitglied dieser Verbände zu werden, müssen Höfe beispielsweise komplett auf ökologische Landwirtschaft umgestellt haben. Nach der EG-Öko-Verordnung ist auch eine Teilumstellung möglich.

Bioland: Bioland e.V. Verband für organisch-biologischen Landbau lässt im Unterschied zum deutschen und europäischen Siegel keine Futtermittelimporte aus dem globalen Süden zu. Das Futter sollte möglichst aus eigener Produktion stammen. Außerdem wird Wert auf regionale Produkte und einen regionalen Verkauf in Hofläden gelegt.

Demeter: Demeter e.V. ist der älteste Verband in Deutschland und zertifiziert Produkte aus biologisch-dynamischer Wirtschaftsweise. Die Besonderheiten dieser Art von Landwirtschaft sind die obligatorische Tierhaltung und spezielle biologisch-dynamische Präparate aus Kräutern, Mineralien und Kuhmist, welche die Bodenfruchtbarkeit gezielt fördern sollen.

Naturland: Naturland – Verband für ökologischen Landbau e. V. hat die Entwicklung von Richtlinien in vielen Bereichen initiiert und vorangetrieben. Dies gilt beispielsweise für die ökologische Aquakultur, einer nachhaltigen Haltung und Nachzucht von wasserlebenden Tier- und Pflanzenarten. Seit 2010 können einzelne Produkte und Unternehmen auch mit dem „Naturland Fair“-Siegel zertifiziert werden. Um dieses Siegel zu erhalten, müssen die Zutaten zu mindestens 50% aus fairen Handelspartnerschaften stammen.

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