Gentechnik

Die Veränderungen des Erbgutes von Nutzpflanzen durch Anwendung gentechnischer Verfahren wird als grüne Gentechnik oder Agro-Gentechnik bezeichnet. Mit Hilfe dieser Technik sollen Pflanzen resistenter gegen Schädlinge werden und schwierige Bedingungen wie Überschwemmungen oder Dürren überstehen. Insbesondere der Klimawandel trägt dazu bei, dass es in vielen Regionen der Welt aufgrund extremer Wetterbedingungen immer schwieriger wird Landwirtschaft zu betreiben. Die Sicherung der Nahrung für eine immer weiter wachsende Bevölkerung sei ohne Gentechnik in Zukunft nicht mehr möglich, so das Argument der Gentechnik-Befürworter. Die Grüne Gentechnik ist in Deutschland stark umstritten und wird von der Bevölkerung überwiegend abgelehnt. Laut einer Forsa Studie von 2009 sind 78 Prozent der Deutschen gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel, auch wenn sie günstiger sein sollten als andere Produkte. 81Prozent stimmten der Aussage zu, dass Gentechnik unkalkulierbare Auswirkungen auf die Kreisläufe der Natur hat.

Warum wird Gentechnik dann trotzdem in der Landwirtschaft eingesetzt? Mit Ausnahme eines zwei Hektar großen Feldes in Sachsen-Anhalt wurden in Deutschland 2011 keine genveränderten Pflanzen angebaut. Nichtsdestotrotz gelangen gentechnisch veränderte Organismen (GVO) durch wissenschaftliche Freisetzungsversuche in die Natur. Weltweit werden jedoch vier genveränderte Pflanzensorten im großen Stil angebaut: Soja, Mais, Baumwolle und Raps. 80 Prozent aller gentechnisch veränderten Pflanzen wachsen in den USA, Argentinien und Brasilien. Zum einen lässt sich der Einsatz von Gentechnik in diesen Ländern auf eine grundsätzlich positivere Einstellung zu neuen Technologien und zum anderen auf die Lobbyarbeit der großen Gentechnikkonzerne zurückführen. Gentechnisch verändertes Saatgut befindet sich zu fast 100 Prozent in den Händen von sechs Gentechnik- und Agrochemiekonzernen. Das bekannteste und einflussreichste unter ihnen ist Monsanto. Monsanto steht auf Grund seiner aggressiven Unternehmensführung immer wieder in der Kritik. Der Konzern soll Studien manipuliert und bewusst über Risiken seiner Produkte geschwiegen haben.

Die globalen Folgen von Gentechnik
Die Gentechnikkonzerne werben damit, dass der Anbau ihrer Pflanzen zu einem geringeren Einsatz von Pestiziden führe. Es brauche auch nicht mehr viele verschiedene Mittel gegen Unkraut und Insekten, sondern nur noch ein einziges gegen das die genveränderten Pflanzen resistent sind. Häufig verkaufen die Konzerne das passende Pflanzenschutzmittel zu ihrer Pflanze gleich mit dazu und steigern so ihren Umsatz. Studien haben jedoch belegt, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln durch die Verwendung von Gentechnik eher steigt als sinkt. Die Insekten und Unkräuter werden nach einiger Zeit resistent gegen das Mittel und die Bauern müssen zusätzlich Gift versprühen. Die Chemikalien töten nicht nur Schädlinge sondern alles Leben auf dem Feld. Dadurch verlieren unter anderem Schmetterlinge, Vögel oder Fische ihre Lebensgrundlage, sodass die Artenvielfalt in einigen Gebieten bedroht ist. Außerdem sind solche Totalherbizide auch für uns Menschen sehr giftig und krebserregend.
Laut Monsanto sollen die genveränderten Pflanzensorten besonders Kleinbauern im globalen Süden eine ertragsreichere Ernte einbringen und damit einen Beitrag zu Entwicklung und Hungerbekämpfung leisten. Allerdings ist das genveränderte Saatgut um ein vielfaches teurer als herkömmliches und darf nur einmal ausgesät werden. Denn die Gentechnikkonzerne haben ihr Saatgut patentiert, d. h. sie verfügen über ein Schutzrecht auf ihre Produkte, sodass es den Bauern untersagt ist, die Ernte für die nächste Aussaat wieder zu verwenden. Somit müssen sie für jede Saat neues Saatgut kaufen. Dadurch dass Monsanto zusätzlich bewusst konkurrierende Saatgutunternehmen aufkauft, werden die Bauern abhängig vom genveränderten Saatgut. Sollte die Ernte schlecht ausfallen, haben sie kein Geld neues Saatgut zu kaufen und verlieren ihre Existenz.

Kennzeichnung
Ein großes Problem für viele Menschen, die keine gentechnisch veränderten Produkte kaufen möchten, ist die mangelhafte Kennzeichnung. Theoretisch müssen alle Lebensmittel die gentechnisch veränderte Organismen (GVO) enthalten oder aus ihnen hergestellt wurden, gekennzeichnet werden. Praktisch gibt es allerdings viele Ausnahmen und Schlupflöcher. Beispielsweise sind tierische Lebensmittel, in die GVO über Futtermittel gelangen, von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen. Ebenso entfällt die Kennzeichnungspflicht bei Stoffen, die nicht auf der Zutatenliste der Lebensmittel stehen müssen. Wenn zufällig oder technisch unvermeidbar GVO in die Lebensmittel gelangen, ist dies bis zu einem Anteil von 0,9 Prozent ebenfalls nicht kennzeichnungspflichtig.
Seit 2008 gibt es eine neue Kennzeichnungsregel für das freiwillige Siegel „ohne Gentechnik“. Wird das Siegel verwendet, müssen beispielsweise auch bei Tierprodukten die Futtermittel gentechnikfrei sein. Allerdings gehen die Bestimmungen des Siegels vielen Menschen in Deutschland immer noch nicht weit genug. Wer keine Gentechnik in seinem Essen möchte, sollte auf Bio-Produkte setzen, bei denen ein bewusster Einsatz von GVO verboten ist. Es ist allerdings heute schon fast unmöglich Gentechnikfreie Produkte zu garantieren. Dies liegt an der Schwierigkeit gentechnisch veränderte Pflanzen örtlich zu begrenzen. Bienen oder der Wind tragen die Pollen der Pflanzen auch auf Felder, die eigentlich Gentechnik frei sein sollen.

Filmtipp:
Monsanto, mit Gift und Genen – Der Dokumentarfilm erkundet das Reich des US-amerikanischen Konzerns Monsanto, dem weltweiten Marktführer für Biotechnologie. Heute sind 90 Prozent der angebauten gentechnisch veränderten Organismen Monsanto-Patente.

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Bild: flyingfabi / photocase.com