Massenproduktion

Immer mehr, immer schneller, immer billiger! So lassen sich die Ziele der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten beschreiben. Dieser Prozess wird als Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion bezeichnet. Waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch ca. 60 Prozent der Bevölkerung in Deutschland Bauern, sind es heute nur noch ca. 3 Prozent. Statt vielen kleinen familienbetriebenen Bauernhöfen haben wir heute einige wenige, spezialisierte Großbetriebe. Mit Landwirtschaft haben diese Agrarfabriken oft nicht mehr viel zu tun. Die Erzeugung von Gemüse, Obst und Tierprodukten beruht auf extremer Arbeitsteilung, d.h. die Betriebe spezialisieren sich häufig auf eine Gemüse- oder Fleischsorte. Dadurch lassen sich auf einer gegebenen Fläche größere Mengen produzieren, somit die Kosten senken und billigere Lebensmittel produzieren. Wenn allerdings ein Joghurt im Supermarkt nur 29 Cent und das Buttergemüse 49 Cent kostet, dann bleiben vor allem eine artgerechte Tierhaltung und der Umweltschutz auf der Strecke. Auch wenn die meisten Deutschen sich eine artgerechte Tierhaltung wünschen, werden 90 Prozent der deutschen Nutztiere in Massentierhaltung gehalten. Die Tiere fristen ein kurzes Leben auf engstem Raum und bekommen anstelle ihrer natürlichen Nahrung oft Futter, das mit Hormonen oder Antibiotika angereichert wurde, um schnelles Wachstum zu befördern und Krankheiten vorzubeugen.

Monokulturen und Pestizideinsatz
Neben Fleisch, Milch und Käse werden heutzutage auch Getreide, Gemüse und Obst in Massen produziert, indem auf riesigen Flächen meist nur eine Sorte angebaut wird. Solch eine Anbauweise wird als Monokultur bezeichnet. Die Vorteile sind eine einfachere Bewirtschaftung der Felder, ein effektiverer Maschineneinsatz sowie Preisnachlässe beim Einkauf von Saatgut und Pflanzenschutzmittel. Somit können Kosten gespart und Erträge sowie Gewinne maximiert werden. Andererseits führt diese Art des Anbaus dazu, dass die Pflanzen dem Boden einseitig Nährstoffe entziehen und anfälliger für Krankheiten und Schädlinge werden. Sie müssen daher mit chemischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Diese wiederum verschmutzen das Grundwasser und schaden den Ökosystemen. Bei vielen tropischen Früchten, die wir aus anderen Ländern importieren, werden die Pestizide mit Flugzeugen aus der Luft versprüht ohne Rücksicht auf die Feldarbeiter/innen, was gravierende körperliche Schäden verursacht.

[VID]http://www.youtube.com/watch?v=0gYG51zxODE[/VID]
Good Food, Bad Food – Anleitung für eine bessere Landwirtschaft (Trailer)

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation werden jährlich mehrere Millionen Menschen durch Pestizide vergiftet. Es gibt Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln, die in Deutschland und der EU längst verboten sind, aber in Ländern des globalen Südens immer noch eingesetzt werden. Dort sind die Arbeiter/innen durch fehlende Schutzkleidung und Informationen über die Gefahren zusätzlich gefährdet. Außerdem sind die Arbeiter/innen nicht kranken- und rentenversichert.
Durch den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft soll der Pestizideinsatz verringert werden können. Die gentechnisch veränderten Pflanzen sollen gegen Schädlinge oder gegen bestimmte Unkrautbekämpfungsmittel resistent werden. Letztere sind sogenannte Breitbandherbizide, die alle Lebewesen außer der Nutzpflanze abtöten. Studien haben jedoch belegt, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln durch die Verwendung von Gentechnik eher steigt als sinkt. Die Insekten und Unkräuter werden nach einiger Zeit resistent gegen das Mittel, sodass die Bauern zusätzlich Gift versprühen müssen.

Filmtipps
We feed the world - Der Film „we feed the world“ ist ein spannender Dokumentarfilm, der mit Hilfe von Bildern und Interviews sehr anschaulich zeigt, wo unsere Lebensmittel herkommen, wie sie produziert werden und was unser Überfluss mit dem Hunger auf der Welt zu tun hat. Den Film kannst Du Dir als DVD in den Hamburger Bücherhallen ausleihen.

Food, Inc. – Von wegen glücklich grasende Tiere und idyllische Bauernhöfe – in Wirklichkeit liegt die Macht über unser Essen in den Händen einer handvoll Konzerne. Der Film “Food, Inc.” durchleuchtet die Machenschaften der großen nordamerikanischen Lebensmittelfirmen und zeigt, wie diese alles daran setzen, um die Wahrheit vor uns geheim zu halten. Dieser Film ist als DVD in den Hamburger Bücherhallen entleihbar.

Good Food,Bad Food - Die französische Regisseurin hat für diesen Film Menschen auf der ganzen Welt aufgesucht, um mit ihnen Ideen und Lösungen für eine “intelligentere Nutzung der wertvollen Bodenressourcen” zu finden. Im Film werden Experten, Biologen und Landwirte befragt, die alle dasselbe Ziel verfolgen: eine Optimierung der Böden und die Wiederherstellung der Saatenvielfalt zum Schutz der Umwelt und für gesündere Lebensmittel.

Das System Wiesenhof – Wiesenhof ist eines der größten Schlachthöfe in ganz Deutschland. Wiesenhof produziert mehr als 270 Millionen Hühner pro Jahr. 2011 hat sich das ARD Team auf die Spurensuche gemacht und hat versucht Licht in die Fleischproduktion, die Massentierhaltung und die Konzernführung zu bringen. Die Realität sieht erschreckend aus.

Was Du selbst tun kannst!
Orte in Hamburg zum Thema Essen!

Bild: PiLens / photocase.com