Ökologische Landwirtschaft

Kritik am immer schnelleren Fortschritt in der landwirtschaftlichen Produktion, der keine Rücksicht auf die Folgen für Mensch und Natur zu nehmen schien, wurde schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts laut. Ab den 1920er Jahren entwickelten sich zwei, für Deutschland noch heute bedeutende Zweige in der ökologischen Landwirtschaft. Einer ist die von Dr. Hans Müller und Dr. Hans-Peter Rusch entwickelte organisch-biologische und der andere ist die auf Rudolf Steiner zurückgehende biologisch-dynamische Landwirtschaft. Gemeinsam ist den beiden Strömungen, dass der landwirtschaftliche Betrieb als geschlossener Kreislauf verstanden wird. Das bedeutet, dass alles, was zur Produktion verwendet wird, möglichst vom eigenen Hof stammen und wieder in ihn hineinfließen soll. Die vom Essen übrig gebliebenen Reste werden so beispielsweise entweder an die Tiere verfüttert oder kompostiert und als Düngemittel für die Pflanzen wieder verwendet. Der Einsatz von chemischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie Gentechnik ist in der ökologischen Landwirtschaft verboten. Des Weiteren wird Wert auf eine artgerechte Tierhaltung gelegt mit ausreichend Platz und Auslauf sowie natürlichem Futter ohne wachstumsfördernde Hormone. Bei der Haltung von Masthühnern beispielsweise sind im Öko-Landbau nur maximal 4.800 Tiere pro Stall und 10 Hühner pro m² zugelassen, in der konventionellen Landwirtschaft hingegen müssen sich manchmal bis zu 30.000 Tiere einen Stall und bis zu 25 Hühner einen m² teilen. Der ökologische Landbau möchte, obgleich landwirtschaftliche Produktion immer einen Eingriff in die Natur darstellt, dazu beitragen, dass die Ökosysteme in ihren Funktionen weitestgehend erhalten bleiben. Neben den ersichtlichen Vorteilen trägt die ökologische Landwirtschaft durch die Verwendung organischer anstelle von chemischen Düngemitteln zudem zum Trinkwasserschutz und dem Erhalt der Artenvielfalt bei. Durch eine stabilere Bodenstruktur schützt sie außerdem vor Bodenerosionen und durch eine gesteigerte Wasserspeicherkapazität vor Hochwasser.

Auch wenn es einem vielleicht so vorkommt, als würde täglich ein neuer Biosupermarkt aus dem Boden sprießen, lag der Anteil der ökologisch hergestellten Produkte (ohne Genussmittel) am gesamten Lebensmittelmarkt 2010 bei lediglich 3,4 Prozent. Dieses Wachstum der Biobranche ist zu begrüßen, ursprüngliche Grundsätze, wie regionale Produkte dürfen dabei allerdings nicht verloren gehen. Gerade durch den Einzug von Bioprodukten in die Discounter geht der Trend auch im Biosektor dahin, immer mehr Produkte aus dem Ausland zu beziehen und niedrige Preise mit billigen Arbeitskräften und wachsender Spezialisierung zu erreichen. Einer solchen Entwicklung können wir als Verbraucher entgegenwirken, indem wir eher auf dem Wochenmarkt oder in kleinen Bioläden einkaufen als in den großen Supermärkten.

Bio ist besser für unser Klima!
Bio-Lebensmittel sollen nicht nur eine tierwürdige Haltung garantieren und aufgrund des Verzichts auf Pestizide sowie künstliche Düngemittel weniger Schadstoffe enthalten. Bioprodukte haben auch eine wesentlich bessere Klimabilanz vorzuweisen als konventionelle Lebensmittel. Die globale Erderwärmung und der damit einhergehende Klimawandel sind bedeutende Probleme unserer heutigen Zeit. Verursacht wird der Klimawandel hauptsächlich durch Treibhausgase, welche vor allem bei der Verbrennung fossiler Energiequellen wie Öl, Gas oder Kohle entstehen. Weil beim Anbau, der Herstellung und dem Transport von Lebensmitteln unterschiedlich viel Energie verbraucht wird, spielt es durchaus eine Rolle, zu welchen Produkten wir im Supermarkt greifen. Für Ernährung wird in Deutschland rund 20 Prozent der Energie verbraucht, nach Wohnen der zweitgrößte Bereich. Der größte Anteil an Treibhausgasen wird bei der Erzeugung tierischer Lebensmittel erzeugt, gefolgt von Aktivitäten wie Einkaufen, Kochen und Kühlen. Beim Anbau pflanzlicher Lebensmittel verbraucht die ökologische Landwirtschaft im Vergleich zur konventionellen bei gleicher Menge nur die Hälfte an Energie. Hauptursache ist der Wegfall der mineralischen Stickstoffdünger und synthetischer Pflanzenschutzmittel, die in der konventionellen Landwirtschaft verwendet werden. Für viele klimabelastende Stoffe gibt es zwar noch keine verlässlichen Zahlen und Vergleichsmöglichkeiten, von einem besseren Abschneiden der Bioprodukte ist aber auszugehen.

Aktion VEGGIETAG:

 

 

Bio kann sich nicht jeder leisten!?
Es ist kein Gerücht, dass ökologisch angebaute Lebensmittel teurer sind als konventionell produzierte, insbesondere wenn sie in kleinen Naturkostläden und nicht in großen Supermärkten gekauft werden. Wer es mit der ökologischen Landwirtschaft ernst nimmt, der kann nicht in den Massen produzieren, mit denen konventionelle Betriebe ihre Preise senken. Artgerechte Tierhaltung, umweltschonender Gemüseanbau und faire Arbeitsbedingungen haben nun mal ihren (gerechtfertigten) Preis. Die Frage ist eher, warum Nicht-Bioprodukte so billig sind. Deutschland als eines der reichsten Länder der Welt hat im Lebensmittelsektor – im Vergleich zu anderen Ländern –  sehr niedrige Preise. Der Preis konventioneller Produkte würde erheblich steigen, wenn die Kosten für Umweltverschmutzungen durch Anbau, Transport und Abfall eingerechnet wären. Für Umweltschäden und Krankheiten wie BSE kommen heute nicht die Verursacher auf, sondern die gesamte Gesellschaft. Auch die Zahlungen der EU an landwirtschaftliche Betriebe und andere staatliche Förderungen tragen zu den ungleichen Preisen bei. Die Subventionen sind häufig an Masse gekoppelt, sodass kleine Bauern, insbesondere die Ökobauern, leer ausgehen. Mit wenig Geld ist es natürlich schwer, beim Einkauf immer auf korrekte Lebensmittel zu achten. Von Vorteil ist da natürlich, wenn ihr selber einen Garten oder Balkon zur Verfügung habt, um Gemüse anzubauen. Auch sollte mit wenig Geld darauf geachtet werden, möglichst viel selber zu kochen und weniger Fertigprodukte zu kaufen. Oft ist es auch einfach nur eine Frage der Prioritätensetzung. Fragt euch, wie wichtig es Euch ist, was auf eurem Teller landet.

Was Du selbst tun kannst!
Orte in Hamburg zum Thema Essen!

Bild: biloba / photocase.com