Europa

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Die Einreiseregelungen in EU-Länder wurden in den letzten Jahren strenger, so dass die Möglichkeiten, legal in ein europäisches Land einzureisen, immer weniger wurden. Um bestimmte Länder überhaupt erreichen zu können, haben Flüchtlinge mittlerweile kaum eine andere Wahl mehr als gegen geltende Gesetze zu verstoßen.

Die verschärften Einreiseregelungen führen dazu, dass ein wachsender Anteil von Flüchtlingen die Dienste von sogenannten „Schleusern“ in Anspruch nimmt. Als „Schleuser“ werden Menschen bezeichnet, die sich darauf spezialisiert haben, Flüchtlinge gegen Bezahlung bei der Flucht in ein anderes Land zu helfen. Das passiert entweder durch das professionelle Fälschen von Dokumenten oder das unbemerkte Überwinden von Grenzen. Für sehr viele Flüchtlinge kommt eine Flucht nach Europa jedoch überhaupt nicht in Betracht, da sowohl die Beschaffung gefälschter Dokumente wie auch der Versuch, unbemerkt in ein europäisches Land einzureisen mit enormen Kosten verbunden sind. Je nach Aufwand und Entfernung müssen zwischen 500 bis mehrere 1.000 Euro an den Schlepper gezahlt werden. So erklärt sich, dass die Anzahl von Menschen, die versuchen, in ein europäisches Land zu flüchten, verhältnismäßig gering ist, im Vergleich zu den innerkontinentalen Flüchtlingen.

Zur Sicherung der EU-Außengrenzen wurde in 2005 die Grenzschutzagentur „Frontex“ eingerichtet. Frontex leitet sich vom französischen frontières extérieures ab – übersetzt: Außengrenzen. Mit Hilfe von Wärmebildkameras, Satellitenbildern, Nachtsichtgeräten, Schnellbooten und Helikoptern versucht die Frontex, Menschen an der „illegalen“ Einreise nach Europa zu hindern. Menschenrechtsexperten/innen werfen der Frontex immer wieder vor, systematisch gegen die Genfer Flüchtlingskonvention zu verstoßen, indem sie Flüchtlinge auf offener See aufgreift und schnellstmöglich abschiebt, ohne sie darüber aufzuklären, dass sie Asyl beantragen können.

Die verstärkte und hochtechnisierte Präsenz der Frontex führt jedoch nicht dazu, dass Flüchtlinge sich nicht mehr auf den Weg in Richtung Europa machen. Lediglich die Fluchtrouten verändern sich. Per Boot weicht man beispielsweise auf die hohe See aus, die Fluchtwege werden somit länger und vor allem gefährlicher. Flüchtlingsorganisationen warnen seit Jahren davor, dass sich das Mittelmeer zu einem der größten Massengräber der Welt entwickelt.

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Im Jahr 2010 beantragten laut Statistikbehörde Eurostat knapp 260.000 Menschen Asyl in Europa. In Frankreich wurden mit ca. 51.000 die meisten Anträge gestellt, gefolgt von Deutschland mit rund 48.000 Asylanträgen. Weit mehr als die Hälfte der Anträge werden abgelehnt. Es werden allerdings gar keine Zahlen veröffentlicht, aus denen abzuschätzen wäre, wie viele Menschen unbemerkt in die EU einreisen.

Trotz der Bemühungen um Vereinheitlichung gibt es in den EU-Ländern sehr unterschiedliche Asylstandards, die Anerkennungsquoten reichen von null bis zum Teil weit über 50 Prozent. In einigen Ländern bekommen Asylsuchende eine eigene Wohnung, in anderen Ländern hingegen haben sie noch nicht einmal Anspruch auf ein Bett.

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Bild: Creative-Commons-Lizenz by rockcohen@flickr