Material

Die Anatomie eines Handys sieht folgendermaßen aus: Das Gehäuse ist aus Titan und das Display aus Polymer. Im Inneren verbergen sich Nickel-Batterien und Chips aus Silizium. Die Kondensatoren werden aus Tantal hergestellt, einem Metall, das aus dem Erz Coltan gewonnen wird. Sein Abbau und Handel sind umstritten. Es gibt nur wenige Länder mit Coltan-Vorkommen, neben Australien, Brasilien und Kanada gehört auch der Kongo dazu. Für das Land ist das Erz ein unerlässlicher Rohstoff. Neben Diamanten und Gold gilt Coltan als eine der wichtigsten ökonomischen Ressourcen der Demokratischen Republik Kongo. Um diese wertvollen Rohstoffe wird schon seit 15 Jahren ein erbitterter Bürgerkrieg geführt, der Millionen von Menschen ihr Zuhause, ihre Familien oder das Leben gekostet hat.

Kindersoldaten
Kinder machen in diesem Krieg einen großen Teil der Opfer aus. Sie werden sowohl von der Regierungsarmee als auch von den Rebellen als Soldaten eingesetzt. Meistens werden sie aus ihrem Lebensumfeld gewaltsam entführt und gezwungen, sich bewaffneten Gruppen anzuschließen. Viele Organisationen (terre des hommes, Deutsches Bündnis Kindersoldaten, UNICEF) bemühen sich um die Befreiung dieser Kinder, meistens durch “Freikauf” und den Versuch, ihnen eine neue Lebensperspektive zu ermöglichen. Viele Kinder bleiben aber bei den militärischen Verbänden. Nach traumatischen Kriegserfahrungen sind sie orientierungslos und nicht imstande, in eine gewaltfreie Realität zurückzukehren.

Handel mit Coltan
Kinder und Jugendliche sind aber auch ganz unmittelbar mit dem Coltan-Handel verbunden. So stellen sie einen großen Teil der Arbeiter in den Coltan-Minen des östlichen Kongo. Dort holen sie unter ausbeuterischen Bedingungen Coltan aus engen und ungesicherten Minen. Sie dürfen das Erz meistens nicht selbst an Händler weiter verkaufen, sondern müssen es in die Hände der Rebellen geben, die damit ihren Kampf gegen die Regierung finanzieren.

Die Dokumentation “Blutige Handys” schildert die Situation der Kinder in den Coltan-Minen.

[VID]http://www.youtube.com/watch?v=ItfEoM_YHMU[/VID] 

Die bewaffneten Rebellengruppen, die die kongolesische Regierung stürzen wollen, werden sowohl von Nachbarländern wie Ruanda und Uganda als auch von westlichen Unternehmen unterstützt. Durch den Verkauf des begehrten Coltan an internationale IT-Konzerne profitieren mehrere Seiten: Die Rebellen können ihre Waffen finanzieren und die Konzerne kommen an billigen Rohstoff – wodurch sie indirekt Mitverantwortung am Krieg im Kongo tragen. Aus dem Kongo werden jeden Monat ungefähr 200 Tonnen Coltan exportiert. Die Käufer sind größtenteils Zwischenhändler, die das Erz dann weltweit an Handyfirmen wie Nokia weiter verkaufen. Deutschland wurde dabei als einer der wichtigsten Coltan-Abnehmer identifiziert. Die Firma H. C. Starck aus Goslar, die bis 2007 dem deutschen Chemie- und Pharmakonzern Bayer gehörte, verarbeitet den Großteil des weltweit geförderten Tantals.

Zurzeit gibt es leider noch keine Alternative zu Tantal. Motorola hat zwar vor einiger Zeit versucht, ein Öko-Handy (V2288) auf den Markt zu bringen, hat sich damit aber einen Flop geleistet. Dass es (noch) keine Alternative zu Tantal gibt, ist auch deswegen problematisch, weil die Ressourcen nur noch einige Jahre ausreichen werden.

Sind dann auch wir durch den Kauf von Handys indirekt am Krieg im Kongo und der Ausbeutung in den Minen beteiligt? Können wir als Konsument/innen etwas gegen die Situation dort unternehmen? Eine Kaufverweigerung ist keine realistische Lösung. Auch der Umstieg auf eine faire Handy-Marke bietet sich nicht an, da diese (noch) nicht existiert. Gänzlich machtlos sind wir trotzdem nicht: Jede/r kann an die Unternehmensverantwortung von Handy-Produzenten appellieren und den Konzernen zeigen, dass ihre Geschäftspraktiken beobachtet werden und ihre Verwicklung in den Krieg im Kongo nicht geduldet wird. Weltweit existieren zahlreiche NGOs und Projekte (in Deutschland z. B. Aktiv gegen Kinderarbeit, terre des hommes, Deutsches Bündnis Kindersoldaten), die sich mit Themen wie Armutsbekämpfung, Kinderarbeit, Kindersoldaten u.a. beschäftigen, und Dich einladen, Dich zu engagieren. Dabei gibt es schon die ersten Erfolge: Schätzungen zufolge stammt nach jahrelangen Kampagnen von Menschenrechtsorganisationen inzwischen die Hälfte des von der Mobilfunkindustrie verwendeten Coltans aus Australien. Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Recycling! Die Wiederverwertung von Wertstoffen, die in alten Handys stecken, senkt die Nachfrage und damit auch den Abbau des Rohstoffes Coltan.

Links
Aktiv gegen Kinderarbeit – Die Seite bietet zahlreiche Informationen zum Thema Kinderarbeit und präsentiert Lösungsansätze und Mitmach-Möglichkeiten.
Kinofilm “Blood in the Mobile” – Ein Film über die Herstellung von Handys, vom gleichen Regisseur wie der oben genannte Film “Blutige Handys”.

Was Du selbst tun kannst!
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Bild: froodmat / photocase.com