Case study: Jeans

Am Beispiel einer Jeans lassen sich die oben genannten Probleme sehr anschaulich verdeutlichen. Zwischen 50.000 und 100.000 Kilometer legt eine Jeans im Verlauf ihrer Herstellung zurück. Die Baumwolle wird in Kasachstan oder Indien geerntet. Dann wird sie in die Türkei gesendet, wo die Baumwolle zu Garn gesponnen wird. Anschließend wird sie in Taiwan mit chemischen Indigofarben gefärbt. In Polen werden die Stoffe gewebt, aus Frankreich kommen die Zettel mit Waschhinweisen und das Innenfutter, in Italien werden Knöpfe und Nieten produziert. Danach geht’s wieder nach Asien: auf den Philippinen werden alle Bestandteile zusammengenäht. Zurück in Europa erfolgt die Endverarbeitung mit Bimsstein in Griechenland oder der Türkei.

So genannte „stone-washed”-Jeans werden mit Sandstrahlern auf alt getrimmt – nicht ohne gefährliche Nebenwirkungen. Die Steinstrahlentechnik stellt ein großes Gesundheitsrisiko für die Arbeiter dar. Der Sandstrahler setzt Siliziumpartikel frei, die sich an der Luft in Quarz verwandeln. Quarz setzt sich in der Lunge fest und verursacht eine Vernarbung und Kontraktion des Gewebes. Die Folgen sind Atemnot, schwerer Husten, Erbrechen und im schlimmsten Fall der Tod durch Ersticken. Die meisten „stone-washed“-Jeans werden in der Türkei produziert. Dort besteht für die Betroffenen kaum eine Möglichkeit, durch Kuren oder Therapien ihre Krankheit zu heilen. Die türkische Regierung hat zwar Gesetze erlassen, die diese Technik verbieten, aber sie ist bei der Verfolgung von Verstößen eher untätig geblieben. Zwar sind in Istanbul einige Produktionsstätten geschlossen worden, doch die Textilindustrie gilt als einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes. Alle großen Jeansmarken lassen ihre Produkte weiterhin in den illegalen Fabriken der Türkei bearbeiten. Die Kampagne für saubere Kleidung fordert Unternehmen auf, das gesundheitsschädliche Verfahren zu verbieten. Viele Unternehmen aus ganz Europa haben in der Zwischenzeit reagiert und ein Sandstrahlenverbot erlassen. Die Modekette New Yorker bleibt eine unrühmliche Ausnahme und auch Marken wie Orsay, Armani, Dolce & Gabbana sowie Versace haben bisher jegliche Einsicht verweigert.
 

Dokumentation zur Herstellung einer Jeans auf YouTube (2010)
 
Nach der Herstellung und Bearbeitung werden die Jeans dann nach Deutschland geliefert und verkauft. Eine spannende Frage ist, wohin das Geld fließt, das wir für unsere nagelneue Jeans bezahlen. Die Lohnkosten für die Arbeiterinnen und Arbeiter liegen bei lediglich einem Prozent des Kaufpreises. Drei Viertel des Preises gehen in Verwaltung, Markenname, Werbung und an die Einzelhändler. Die restlichen 24 Prozent dienen für Material, Transport und die Fabriken in den Billiglohnländern.

Links

bleed clothing  - Berliner Modelabel, das auf vegane, faire und ökologische Produktion ohne Investor_innen setzt
HempAge – beschäftigen sich mit der nachhaltigen Herstellung von Kleidung aus Hanf
Kuyichi - Holländisches Label für Öko- und Fairtrade-Jeans.
manomama – Deutsches und sozial engagiertes Label für Ökojeans.
SEY – Premium Organic Jeans – In der Türkei produzierte ÖkoLabel und zu 100% GOTS zertifiziert.
Was Du selbst tun kannst!
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