Reisen

Weltweite Mobilität ist – zumindest für die meisten Menschen aus dem globalen Norden – zu einem erschwinglichen Konsumgut geworden. Durch den Boom der weltweiten Tourismusindustrie und die immer niedrigeren Preise sind nun selbst weit entfernte Orte zum Greifen nah. London, Machu Picchu, Kanada und Kapstadt – alles ist erreichbar.

Tourismus hat sowohl positive als auch negative Seiten. Abgesehen davon, dass er uns die Möglichkeit bietet, Neues zu erleben und Orte zu entdecken, die uns sonst verborgen geblieben wären, stechen in Sachen Tourismus besonders die wirtschaftlichen Vorteile ins Auge. Er stärkt die Wirtschaft vor Ort, indem er Geld in die Zielregionen bringt, Infrastrukturen verbessert und Jobs schafft. Gleichzeitig kann rücksichtsloser Tourismus gravierende ökologische als auch soziale Folgen haben. Maßloses Fliegen trägt zum Klimawandel bei und Hotelkomplexe beeinträchtigen die Natur und erzeugen Urlauberghettos, die den lokalen Bewohnern den Zugang zu natürlichen Ressourcen wie Gewässer und Wälder erschweren.

Doch in der letzten Zeit lässt sich ein Reisetrend erkennen, der in eine andere Richtung geht. Immer mehr Menschen machen sich Gedanken über die Auswirkungen ihrer Reisen. Die Mainstream-Massenziele werden durch regionale Ziele ausgetauscht, Billigflüge durch Bahnreisen und das Herumliegen an exotischen Stränden durch den Aktivurlaub am nahe gelegenen See. Für viele Menschen spielen Qualität, Authentizität, Rücksichtnahme und Nachhaltigkeit eine immer wichtigere Rolle, wenn es darum geht, wo der Urlaub verbracht werden soll.

Und die Tourismusbranche? In den 90er Jahren wurden die ökologischen und sozialen Kosten des Massentourismus immer deutlicher und die wichtigsten Vertreter der globalen Tourismuswirtschaft haben sich 1999 auf einen “Globalen Ethik-Kodex” für ihre Branche geeinigt. Dadurch verpflichteten sich die Unternehmen, den Tourismus im Einklang mit der Umwelt, sozialen Rahmenbedingungen, kulturellen Identitäten und politischen Gegebenheiten zu entwickeln und legten Rechte und Pflichten von Tourismusindustrie, Reiseveranstaltern und Reisenden fest. Der Kodex wurde von der UN-Generalversammlung abgesegnet und das Jahr 2002 zum weltweiten “Jahr des Öko-Tourismus” erklärt.
Allerdings existieren die meisten Versprechen nur in der Theorie. Ernsthafte Kontrolleinrichtungen, die die Ausweitung der globalen Tourismusindustrie eindämmen könnten, gibt es nicht. Bis heute gibt es auch keine verbindliche Definition darüber, was ein Öko-Urlaub ist. Was wir auf den nächsten Seiten sehen werden: Es gibt gute Beispiele, die als Vorreiter aufgezeigt werden können, aber allzu häufig dient das Zauberwort “Öko” als bloßer PR-Trick.

Hättest Du trotzdem gerne eine kleine Reise-Richtlinie? Vielleicht fasst es am besten der Spruch zusammen: „Lokal geht vor global.“ Dabei gilt das nicht nur für die Reiseziele, sondern auch für die Strukturen vor Ort. Tourismus sollte nämlich lokale Strukturen fördern, angrenzende Natur respektieren und den Menschen vor Ort Arbeitsmöglichkeiten bieten.

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